Neoliberale Wirtschaftslehre für Pogoanarchisten!
16.12.2008 - Warhead
Eine Einführung in die Wirtschaftlehre anhand eines Wirtshauses:
Erwin hat ne Kneipe im Wedding. Um mehr Umsatz zu machen beschliesst er, die Getränke seiner Stammkundschaft...Hartz IV Empfänger, Prekäre, Rentner, Pöbel und Gesocks...auf den Deckel zu nehmen. Das macht im Wedding schnell die Runde und immer mehr asoziale Schluckis drängen sich an Erwins Tresen. Da die Kunden nicht gleich zahlen müssen, erhöht Erwin als Kompensation die Preise.
Der Umsatz steigt dramatisch, Erwin freut sich.
Der jungdynamische Kundenberater von Erwins Hausbank registriert Erwins Aufschwung und bietet ihm zur Liquiditätssicherung einen unbegrenzten Kredit an.
Die Absicherung sollte keine grosse Sache sein, als Deckung dienen die Deckel von Erwins durstiger Kundschaft.
Zur Gegenfinanzierung legt eine Horde hochqualifizierter und topmotivierter Investmentbanker die Deckel in verbrieften Schuldverschreibungen an, sie laufen unter den Bezeichnungen Bierbond, Pennerbond und Rückverdummungsbond.
Das ganze bekommt eine wohlklingende Neusprechbezeichnung...SPA Super Prima Anleihen, die werden bei einer usbekischen oder kirgisischen Onlineversicherung via Email versichert.
Mehrere Ratingagenturen stufen die Papiere als "kaufen" ein...gegen Freibier und Wodka bei Erwins Kneipe bis in alle Ewigkeit.
Keiner weiss was die geheimnisvollen Abkürzungen dieser Papiere bedeuten, macht aber nichts, die Kurse steigen, viel Phantasie ist im Markt und die Rendite ist fett.
Die Vorstandsmitglieder und die Fraktion der Investmentbanker erhalten grosszügige Boni und Prämien.
Eines schönen Morgens stellt ein Volkswirtschaftler fest...dem dann wegen seiner defätistischen Einstellung fristlos gekündigt wurde...das die ältesten Deckel doch ohne weiteres als fällig gelistet werden können.
Und wie es doch der Zufall unvermuteter Weise ist, können weder die Rentner noch die Hartzempfänger ihre Deckelschulden, die sich seltsamerweise im Laufe der Zeit zu Unsummen angehäuft haben, bezahlen.
Man forscht nach, aber weder kommen nennenswerte Tilgungen ins Haus noch weiss man wo die Schulden samt Schuldner überhaupt sind.
Erwin muss Insolvenz anmelden...Bierbond und Pennerbond verlieren innerhalb weniger Tage 95% und 98% ihres Marktwertes und verkommen zu Pennystocks. Kotzbond hält sich immerhin bei -75 %.
Die Bierlieferanten hatten Erwin obszön lange Zahlungsfristen gewährt, die Schnaps und Weinlieferanten gehen nun ebenfalls in die Insolvenz. Nur der Bierlieferant überlebt durch massive staatliche Unterstützung und wird von einem Hedgefond übernommen.
Auch die Bank muss nun durch den massiven Einsatz von Steuergeldern gerettet werden, weil Ihre Versicherung auch nicht mehr zahlen will und kann.
Dafür verzichten nun auch ein paar hochqualifizierte und topmotivierte Investmentbanker in einer Selbstverpflichtung auf ihre Prämien und Boni.
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